Frage von NN:
"Liebes Nikodemusteam,
kann ich meine Freundin oder bzw. meine Frau lieben UND Gott gleichzeitig? In der Bibel steht, man soll sein Leben voll und ganz ihm widmen und ihm mit aller Kraft dienen. Wie sieht Gott die Sache? Wie hat er sich das gedacht? Entweder - oder?"
Paulus über Ehe und Ehelosigkeit
Dazu hat Paulus einige deutliche Worte zu sagen. Zuerst einmal stellt Paulus klar, dass Ehelosigkeit eine Gottesgabe ist (
1.Korinther 7,7) - wer also ohne Schwierigkeiten mit seinen sexuellen und sozialen Bedürfnissen ehelos bleiben kann, hat dafür die Gabe von Gott bekommen. Paulus macht klar, dass es vorteilhaft wäre, wenn alle so wären wie er selbst, der er offensichtlich diese Gabe gehabt hat (
1.Korinther 7,7;
1.Korinther 7,26). Wer nun aber mit seinen Bedürfnissen Schwierigkeiten hat, soll lieber heiraten als sich vor Begierde verzehren, wie Paulus das ausdrückt (
1.Korinther 7,1;
1.Korinther 7,8).
Als Verheirateter kann ich mich natürlich dennoch an das oberste Gebot der ausschließlichen Gottesliebe halten. Es betrifft ja vor allem die innere Haltung und Ausrichtung und kann so auch das Leben zu zweit prägen. Daran wird deutlich, wie wichtig es ist, dass beide Partner gläubig sind.
Dennoch weiß Paulus um die Schwierigkeiten und widerstreitenden Interessen, in die man in einer Ehe kommen kann. Paulus sah die ganze Sache ziemlich drastisch und empfahl, als Verheirateter so zu leben, als sei man nicht verheiratet (
1.Korinther 7,29), d.h. die Ehe und die Partnerin nicht zum Wichtigsten werden zu lassen, sondern Gott weiterhin an erste Stelle zu rücken. Dazu schreibt er:
"Der Unverheiratete ist für die Sache des Herrn besorgt, wie er dem Herrn gefallen möge; der Verheiratete aber ist um die Dinge der Welt besorgt, wie er der Frau gefallen möge, und so ist er geteilt. Die unverheiratete Frau und die Jungfrau ist für die Sache des Herrn besorgt, damit sie heilig sei an Leib und Geist; die Verheiratete aber ist für die Sache der Welt besorgt, wie sie dem Mann gefallen möge."
1.Korinther 7,32-34
Paulus rechnete damals auch mit Verfolgungen der Christen; in solchen lebensbedrohlichen Situationen können Christen in die ethische Zwangslage kommen, aus Rücksicht auf ihre Partner oder Familien Abstriche an der Gottesliebe bzw. dem Dienst für ihn zu machen. Einfachstes Beispiel ist die Gefahr für die Familie in totalitären Diktaturen wie dem Nazi-Regime, wenn man vor die Wahl gestellt wird, Christus abzuschwören – oder in Kauf zu nehmen, dass ansonsten Kinder oder die Frau in Sippenhaft genommen werden.
Das gilt allerdings auch für alltäglichere Situationen, weil Christen ja Verantwortung und Fürsorge für ihre Familien wahrzunehmen haben. Einfachstes Beispiel ist, dass ein Familienvater Zeit für seine Familie braucht und verwenden soll, Zeit, die ihm am ehrenamtlichen Dienst in der Gemeinde abgeht. Das weiß Paulus: "er ist geteilt" schreibt er dazu. Soweit ist das in Ordnung. Wie der einzelne in einer Zwangslage handeln wird, bleibt natürlich ihm überlassen. Jeder, der heiratet, sollte sich allerdings klar sein, dass er in solche - alltäglichen oder außergewöhnlichen - Zwangslagen geraten kann und den Dienst an Gott wird zurückstellen müssen. Wer dies nicht will, der sollte die Gabe der Ehelosigkeit haben oder erbitten. Es ist dann immer noch Gottes Sache, ob er sie gewährt.
Andererseits hat Gott die Ehe geschaffen und gesagt, dass es nicht gut ist, allein zu sein (
1.Mose 2,18). Das ist ein grundsätzlicher Aspekt, den wir heute - da Ehelosigkeit als Gabe eher die Ausnahme ist und in der Regel Christen verheiratet sind - vordringlich beachten sollten. Deshalb stellt sich weniger die Frage, ob Gottesliebe unbedingt die Ehelosigkeit fordert, als vielmehr die Frage: Wie schaffe ich es, dass die Verantwortung für meinen Partner oder meine Familie mir innerlich nicht die Gottesliebe beschränkt?
Gott hat die Ehe geschaffen und will, dass wir in Liebe den Partner oder die Familie achten und alles tun, was notwendig ist, um unsere Aufgabe als Verheirateter wahrzunehmen. Dazu gehört für Männer etwa, dass sie ihre Frau so selbstlos lieben, wie Jesus die Gemeinde liebt (
Epheser 5,25). Das ist eine schwere Aufgabe und eine große Verantwortung. Klar wird daran auch, dass wir Christen Gottesliebe in Form der Liebe zu unserem Partner oder der Familie praktizieren und unsere Liebe zu Gott in der Erfüllung der gottgegebenen Aufgaben leben können.
Insofern stellt eine Ehe oder Partnerschaft grundsätzlich keinen Widerspruch zum Gebot der Gottesliebe dar. Andererseits kann die Liebe zu einem Partner egoistisch werden und die Gottesliebe verdrängen, wie dies bei allem geschehen kann, was wir Menschen tun und fühlen.