Mein Traum

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Über den Autor

Tanja Klement, ihres Zeichens Missionarskind, verbrachte den größten Teil ihres Lebens irgendwo anders auf der Welt. Sie studiert Medienwissenschaften in Marburg und ist für gewöhnlich zwischen Büchern und Filmen aufzufinden, wenn nicht gerade ihr Verlobter Philip sie mit einer Tasse Cappuccino vom letzten Martha-Grimes-Krimi fortlocken kann.

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Ich stehe am Bahnhof. Sie steht ein paar Meter weiter und ich will auf sie zugehen. In dem Moment stürzen vermummte Gestalten auf den Bahnsteig. Die Schüsse, die sie treffen, klingen mir immer noch in den Ohren. Immer wieder sehe ich sie fallen, während ich versuche, sie zu erreichen. Ich bleibe hängen, komme nicht an sie heran. Ihr weißes, fließendes Kleid färbt sich langsam rot, ihre Hände scheinen nach einem unsichtbaren Halt zu suchen. Die Welt verlangsamt sich, bleibt stehen – für eine Sekunde. Dann schwillt in mir das Gefühl der Ohnmacht, bis es mein ganzes Innere erfüllt und lautlose Klagen in meinen Mund legt. Noch bevor ich sie erreichen kann, wache ich auf. Meine Hände klammern sich um die Bettdecke und ich starre in die gedämpfte Dunkelheit meines Zimmers. Es war ein Traum. Nichts mehr als eines meiner Hirngespinste. Und doch bleibt auch nach dem Erwachen diese Mischung aus Schock und Trauer in meiner Seele hängen.

Es gibt kaum ein Gefühl, vor dem ich mich mehr fürchte als das der Ohnmacht. Ich gebe mich so gern der Illusion hin, alles bestimmen zu können, immer die Kontrolle zu behalten. Ich rede mir ein, dass ich mein Leben selbst bestimme. Und auf einmal geschehen Dinge, die mein selbsterbautes Bild der Sicherheit einfach hinwegfegen. Es ist ein ernüchterndes Gefühl, wenn man die Kontrolle verliert. Wer Scherben in der Hand hält, kann sich nicht auch noch an Illusionen festklammern.

Gott, der selber ohnmächtig geworden ist, will mir die Bürde, mein Leben kontrollieren zu müssen, abnehmen.

Meine Zeit steht in deinen Händen.
Psalm 31,16


Diese Aussage des Psalmists ist nicht nur ein Ausdruck des Vertrauens, sondern auch der Erleichterung. Mein Leben an Gott abzugeben bedeutet, frei zu sein von dem Drang, mein Herz mit Sicherheitsvorkehrungen gegen Verlustschmerz zu umringen und die Zukunft mit ängstlichem Blick zu beäugeln. Die tiefste Liebeserklärung an unseren Gott ist das Vertrauen, dass er mein Leben bestimmt. Vertraue ich ihm, wenn ich die Dinge nicht in der Hand habe, ehre ich ihn in besonderer Weise.