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"Mir fehlt die Inspiration", sagt der Bildhauer - und wartet in seiner Gartenlaube weiter auf den Geistesblitz, der ihm die entscheidende Idee liefert, die er aus der Tiefe seiner eigenen Vorstellungswelt nicht hervorbringen kann. Inspiration ist etwas, das von außen in unsere menschliche Erfahrungswelt eindringt und uns Informationen vermittelt, die wir durch eigenes Nachdenken und Schlußfolgern nicht erzeugen könnten.

"Wort Gottes" - die Bibel stellt einen ungeheuer hohen Anspruch, was ihre Inspiration angeht. Dabei sind die 66 Bücher der Bibel keineswegs "vom Himmel gefallen" wie etwa der Koran oder das Buch Mormon: Viele Autoren vom Hirten bis zum König haben über einen Zeitraum von rund 4000 Jahren aufgeschrieben, wozu sie Gott inspirierte. In diese Texte fließen natürlich die subjektiven Erfahrungen der Autoren mit ein. Aber - und das ist der Unterschied zu anderen großen Werken der Weltliteratur - Gott hat ein Eigeninteresse daran, sich durch diese menschlichen Autoren mitzuteilen, zu offenbaren. Die Bibel beinhaltet viele Informationen, die wir Menschen niemals ohne göttliche Offenbarung haben könnten. Sie sprengt den subjektiven Rahmen bloßer menschlicher Religiosität und berichtet von objektiven geistlichen Tatsachen hinter den Kulissen der Weltgeschichte.

Diese Mischung aus menschlicher Autorentätigkeit und göttlicher Offenbarung ist Gottes selbstgewählter Kommunikationskanal. Auf eine Formel gebracht: Offenbarung gleich Transpiration plus Inspiration. Das ist oft nicht unproblematisch: Hätte Gott sich auf eine rein göttliche übernatürliche Offenbarung beschränkt, gäbe es bei Nikodemus.Net vermutlich weniger Fragen. Oder vielleicht auch nicht - denn was verstehen wir Menschen wohl besser als andere Menschen? Gott spricht zu uns in unserer eigenen Sprache, soweit Kommunikation zwischen Schöpfer und Geschöpfen überhaupt möglich ist.

Von der Inspiration der Bibel kann man letztlich keinen Menschen durch Beweise überzeugen. Vielleicht hat Gott aus gutem Grund keine Offenbarungsform gewählt, die alle menschlichen Zweifel und Proteste ein für alle Mal zum Schweigen bringt: Das Ausleben der Bibel, ihre Umsetzung in die Praxis setzt sowieso ein Mindestmaß an Glauben voraus ("winzig wie ein Senfkorn") - deshalb fordert uns Gott bereits beim Akzeptieren der Inspiration der Bibel ein gewisses Grundvertrauen ab. Wer die Bibel liest, um seine Vorurteile bestätigt zu bekommen, wird in ihr nur ein weiteres großes Werk der Weltliteratur erkennen. Aber wer darauf vertraut, daß die Bibel bei aller menschlicher Mitwirkung das inspirierte Wort Gottes ist, wird in ihr wirklich seinem Schöpfer begegnen, auch ohne jahrelang in der Gartenlaube zu sitzen.