Ein altertümliches Wort, mit dem manch einer noch die Comic-Zeichnungen in Heften der Zeugen-Jehovas verbindet: Jeder Mensch hat ein heiliges Lächeln auf den Lippen, Löwe und Schaf liegen einträchtig unter der Sonne beieinander. Das Reich Gottes erscheint als Synonym für "Paradies" und "Himmel". In der Bibel findet sich ein anderes Bild. Für Jesus ist das Reich Gottes zentrales Thema. Lange Zeit angekündigt und mit den verschiedensten jüdischen Vorstellungen erwartet, beginnt es mit ihm selbst, die Geschichte Gottes mit seinen Menschen nimmt die entscheidende Wendung.
Der Mensch hatte sich losgesagt von seinem Schöpfer, die Beziehung zu ihm gebrochen und alles verloren, was sein Leben wertvoll und sein Wesen aus macht, ist seither versklavt unter seine Schuld und Beziehungslosigkeit. Gott wählte sich daraufhin ein Volk, schloss Bünde mit ihm, bot Opfer an, um mit den Menschen in Beziehung zu kommen, schickte Richter, Könige und Propheten. Doch sein Volk Israel ging immer wieder andere Wege - wie alle Menschen, die Gott nicht kannten. Doch dann entschloss sich Gott, selbst Mensch zu werden, für alle Schuld und alle Trennung der Menschen zu sterben und ihnen die Beziehung zu ermöglichen, wenn sie darauf antworten, sich auf Jesus berufen und ihn Gott sein lassen in ihrem Leben. Gottes Plan mit den Menschen war und ist Gemeinschaft und Beziehung als Gegenüber und durch Jesus kann dies Realität werden!
Jesus wollte den Menschen dieses Angebot verständlich und lieb machen, erklären, was durch ihn geschehen sollte. Deshalb verwendete er Bilder, die die Menschen seiner Zeit verstanden, um Charakteristika dieses Reichs Gottes zu skizzieren:
Es beginnt damit, dass die Botschaft von Jesus weiter gesagt wird, auch wenn ihre Hörer sie unterschiedlich aufnehmen und verschieden mit ihr umgehen (Markus 4,3-9).
Gott setzt Menschen ein, um diesen Startpunkt zu setzen, sorgt aber selbst dafür, dass sein Reich wächst (Markus 4,26-29).
Das Reich Gottes gleicht dem kleinstes Samenkorn und wird sich doch gewaltig über alles andere wachsen (Markus 4,30-32).
Sein Ziel ist ewige Gemeinschaft von Gott und Mensch (Lukas 14,7-24).
uvm.
Reich Gottes beginnt dort, wo ein Mensch diesen Tod Jesu für sich persönlich in Anspruch nennt, ihn als seinen Chef und Retter anerkennt - und somit unter Gottes Herrschaft kommt. Er war zuvor nie ungebunden, sondern versklavt unter Schuld - befreites Leben kann er erst in der Verbundenheit mit Gott erfahren.
Wenn ein Mensch zu Gott kommt und mit ihm lebt, finden in ihm immer noch Kämpfe statt: Der alte Egoismus, die Lieblosigkeit, seine eingeredete Unabhängigkeit von allem streiten mit dem, was Gott ihm beginnt: Liebe, Heilung, Freude, Geduld – um nur einige zu nennen. Das bestätigt selbst ein Paulus (Römer 7,14-25) und die ersten Christen werden immer wieder aufgefordert, sich von Gottes Geist und seinem Wort bestimmen zu lassen - im Denken, Fühlen, Reden und Handeln. Jesus selbst sagt einmal:
Gebt nur Gott und seiner Sache [=dem Reich Gottes] den ersten Platz in eurem Leben, so wird er euch auch alles geben, was ihr nötig habt.
Matthäus 6,33
Und doch beinhaltet das Reich Gottes eine Spannung: es ist schon da, aber noch nicht ganz. Immer wieder haben Menschen versucht, es von sich aus aufzurichten, was üble Folgen hatte. Das Täufferreich von Münster ist nur als schillerndstes Beispiel zu nennen. Gott sagt in der Bibel zu, dass er es ist, der seinen Plan in Gang setzt und auch vollendet (siehe z.B. Matthäus 13,24-30; Apostelgeschichte 1,7).
Menschen, die mit diesem Gott leben, sind aufgefordert ihre Aufgabe im Reich Gottes wahr zu nehmen. Jesus sagt:
Die Ernte ist groß, der Arbeiter aber sind wenige.
Lukas 10,2
Übersetzt: "So viele Menschen suchen nach Gott - auch wenn sie es nicht so nennen -, nach dem Leben, dass ich euch geschenkt habe". Er fordert sie auf, allen Menschen die Botschaft davon weiter zu sagen:
Geht in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur.
Markus 16,15
Reich Gottes ist nichts für Zuschauer: Wer an Jesus glaubt, wird Teil der größten Sache in der gesamten Weltgeschichte!